Telekom kündigt 700.000 Kunden den Prepaidvertrag
Juli 29, 2010In Deutschland haben viele Handybesitzer neben einem Vertragshandy noch ein Handy mit Prepaidkarte. Entweder Familien, die die Prepaidkarte ihren Kindern überlassen, um vor überraschend hohen Handyrechnungen gefeit zu sein, genauso wie junge Singles oder Paare, die die Prepaidkarte quasi als Reserve nutzen wenn das Vertragshandy verloren geht oder gar geklaut werden sollte.
Kündigungen rechtmäßig?
Eigentlich sind die Prepaidkarten ja praktisch, sie sind in der Anschaffung günstig und verursachen nur dann monatliche Kosten, wenn man sie auch benutzt. Die wenigsten Besitzer von Prepaidkarten machen sich großartige Gedanken über die Gültigkeitsdauer ihre Simkarten, bis jetzt zumindest. Denn wer sein Zweit- oder Dritthandy mit einer Prepaidkarte von der Telekom bestückt hat, der sollte dieses Handy auch nutzen, denn die Telekom kündigt seit neuestem jedem Kunden, der sein Handy nur selten nutzt, den Vertrag. So hat die Telekom in den letzten Monaten rund 700.000 Kunden, die eine Prepaid Simkarte des Unternehmens besitzen, gekündigt.
Das Vorgehen des Telekommunikationsriesen verwundert nicht nur verärgerte und frustierte Kunden, auch den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Telekom ist zu entnehmen, dass die Verträge eigentlich auf unbestimmte Zeit geschlossen wurden. Der Grund für die Massenkündigung der Telekom ist einfach, die Prepaidkarten die nicht genutzt werden, kosten das Unternehmen Geld, denn jede Prepaidkarte hat natürlich eine eigene Nummer, die verwaltet werden muss. Fraglich ist jedoch, ob die Kosten dafür wirklich so hoch sind und ob das Vorgehen der Telekom rechtmäßig ist. Die genauen Gründe versteht im Moment wohl nur, wer die Innenarchitektur des Unternehmens kennt, also Manager der mittleren bis oberen Führungsebene.
Guthaben sollte eingefordert werden
Verbraucherschützer empfehlen betroffenen Kunden jedenfalls, das Guthaben auf jeden Fall einzufordern. Auch wenn laut der Telekom das Guthaben schon abgelaufen sei, müsse es dennoch erstattet werden, denn in einem Grundsatzurteil hat das Kölner Oberlandesgericht letztes Jahr entschieden, dass auch „abgelaufene“ Guthaben ersetzt werden müssen. Doch selbst, wenn die Telekom ihren Kunden das nicht verbrauchte Guthaben zurückerstattet, so ist das Vorgehen des Unternehmens mehr als fragwürdig, der ohnehin nicht tadellose Ruf des Telefonanbieters wird durch so ein Verhalten gegenüber mehr als einer halben Million Kunden auch nicht gerade verbessert. Finanzielle Gründe dürften eigentlich nicht der Grund für das Vorgehen der Telekom sein, alleine im Jahr 2009 lag der Umsatz bei 64,6 Milliarden Euro. Die Telekom, die außerdem das größte Unternehmen Deutschlands ist, beschäftigt rund 258.000 Mitarbeiter weltweit und ist neben dem Mobilfunk- und Festnetzbereich auch im Rundfunksektor in Deutschland führend. So betreibt die Telekom sämtliche Rundfunksendeanlagen für den ZDF, den Deutschlandfunk und das Deutschlandradio.
Bis die Rechtslage eindeutig geklärt ist und feststeht, ob die Telekom die Prepaidverträge ohne weiteres einfach kündigen kann, sollten Kunden auf jeden Fall zumindest auf die Rückerstattung ihres Guthabens bestehen.
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